HR

Ein wertvolles neues Instrument

22. Januar 2012
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Recruiting 2.0_In der jungen Szene des Recruiting über Facebook & Co. spielt sich einiges ab. Vor allem grössere Unternehmen sehen die positiven Effekte, die Social Media Recruiting bietet. doch im schweizerischen Alltag der Callcenter hat man bis jetzt noch keine grossen Erfahrungen gemacht. Man anerkennt jedoch, dass sich damit eine fantastische Option bietet.

Die sozialen Medien sind noch eine Spielwiese. Dabei wird noch viel experimentiert und ausprobiert. Doch immer mehr Unternehmen widmen dem Thema Social Media im Bereich Human Resources eine wachsende Aufmerksamkeit. Die Erfahrungen dabei sind ziemlich verschieden. Vor allem zeigt sich, dass es auf den Kanal ankommt und wen man ansprechen möchte. So hat man bei BSI in der Startphase schon diverse Erkenntnisse gewonnen. Jessica Schmidt, PRVerantwortliche: «Noch sind wir bei BSI mit unseren Social-Media-Recruiting-Aktivitäten ganz am Anfang und betreiben erst Employer Branding, nicht konkrete Mitarbeiter-Suche. Dazu haben wir eine FacebookSeite, die vorwiegend Recruiting-Zwecken dient. Auch auf Twitter sind einige unserer Wunscharbeitnehmer aktiv, wobei Twitter nicht primär Recruiting-Ziele anpeilt. Eine Präsenz in den sozialen Medien ist für uns sehr wichtig und sinnvoll, bieten sich doch hier ganz andere, informellere, subtilere Darstellungsformen.»
Oder bei Callworld erfährt man von Jürg Hüppi: «Wir dachten, super, Facebook, dort ist ja unsere Zielgruppe, die Agents, dabei. Vor allem Empfehlungen wäre ein Thema. Wir setzten einen Recruiter ein, der nichts anderes gemacht hat, als Informationen über unsere Arbeit zu streuen. Eigenartigerweise haben wir von den eigenen Mitarbeitern dazu viele News und Kommentare bekommen, aber für Jobs ist nichts hängen geblieben. Nach diesen Erfahrungen haben wir das Ganze wieder aufs Eis gelegt. Der Weg über Google Inserate zu schalten oder Flyer an die Mitarbeiter zu verteilen, funktioniert besser. Bei SCM ist ja jemand ständig mit Monitoring oder Moderation beschäftigt, das ist aufwendig.»

Welcher Kanal bietet sich an?
Geht es um die Besetzung von höheren Positionen scheint sich vor allem XING anzubieten, wie Isabel Diaz, Head of Human Resources von rbc Solutions AG, dies sieht: «Für das Recruiting von Personal in den Bereichen Projektmanagement, IT, Führung usw. fokussieren wir uns aufgrund unserer Erfahrungen bis auf Weiteres auf XING. Für Mitarbeiter im CC-Bereich hat sich die Suche vergleichsweise weniger gut bewährt. XING bietet sehr gute Möglichkeiten. So können potenzielle Kandidaten, die an Karrierechancen interessiert sind, direkt angesprochen werden. Auch erreicht man damit Personen, die nicht unbedingt proaktiv auf Stellensuche sind. Neben dem hinterlegten Unternehmensprofil auf XING haben wir letztes Jahr ein Companysowie ein Jobvideo produziert. Das Video ist ein sehr gutes Mittel, das bei den Stellensuchenden ein positives Feedback auslöst. Die Visualisierung bringt grosse Vorteile, auch die Möglichkeit damit Emotionen zu wecken, ist sehr hilfreich.»
Bei einem grösseren Callcenter mit seinen verschiedenen Niederlassungen scheint man durch die breite Streuung der Social-Media-Kanäle doch mehr Chancen auf Erfolg zu haben. Dazu Sabine Zoller von walter services GmbH: «Seit September haben wir unsere Facebook-Seite annonciert, das kommt sehr gut an. Wir haben festgestellt, dass es ein ideales Medium ist, um eine jüngere Generation mit unseren Themen rund um den Callcenter-Markt vertraut zu machen. Vor allem die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten kann man hiermit ideal darstellen.» Bei anderen Callcentern in der Schweiz ist dazu noch nicht viel zu hören. Bei avocis steckt man derzeit in der Konzeptphase. Ein kleineres Callcenter wie cosmadialog sieht darin kein passendes Medium für sich. Barbara Schär: «Wir haben mit anderen Rekrutierungskanälen besseren Erfolg. SMR ist uns einerseits zu persönlich gefärbt und andererseits gibt es zu wenig Auskunft über die fachlichen Qualifikationen. Allerdings bedienen wir uns bei «Nachforschungen» in den diversen Plattformen.»
Bei Competence Call Center dagegen ist man schon weiter: «Wir befinden uns aktuell in der Umsetzungsphase. Zum Teil nutzen wir bereits Schaltmöglichkeiten des Social Recruiting und haben damit durchweg positive Erfahrungen gemacht. Eine grosse Basis an potenziellen BewerberInnen wird in einem für sie relevanten Umfeld angesprochen, wobei es hier notwendig ist, die Kommunikation dem neuen Medium gezielt anzupassen», dies das Statement von Dana Waschk, HR Managerin CCC International.

Glaubwürdigkeit durch die Mitarbeiter
Recruiting über das persönliche oder über das Unternehmensnetzwerk war schon immer wichtig. Durch die neuen sozialen Plattformen ist es viel einfacher geworden, Kontakte zu halten. Viele Mitarbeiter haben schon einen Account in einem dieser Netzwerke. Da Mitarbeiter glaubwürdige Multiplikatoren des Unternehmens sind, kann dieses Netzwerk durchaus erfolgreich genutzt werden. Dazu Sabine Zoller:
«Auf unserer Facebook-Seite kommen auch unsere Mitarbeiter zu Wort. Zum Beispiel beim Thema Ausbildung, die wir für verschiedene Berufskategorien anbieten, oder um ein Bild der Praxis aufzuzeigen. Dazu geben Kollegen/ innen ihre Impressionen wider. Wenn Mitarbeiter über das Unternehmen sprechen, hat das eine höhere Glaubwürdigkeit, als wenn sich nur das Unternehmen selbst präsentiert. Das ist bei Social Media ein ganz wichtiger Aspekt.»

Die Stellenanzeige: Totgesagte leben länger
Wer sich bereits mit SMR beschäftigt, sieht dessen Zukunftschancen positiv. Sabine Zoller ist überzeugt: »Für die Zukunft ist Social Media Recruiting nicht mehr wegzudenken. Das heisst jedoch nicht, dass die klassische Stellenanzeige tot ist. Durch beide Medien wird das Vertrauen gestützt, das ist vor allem für unsere Branche sehr wichtig. Facebook und Twitter sind nur erfolgreich, wenn man ehrlich und kontinuierlich Themen nach aussen trägt. Es ist jedoch kein Schnellschuss möglich.»
Auch bei BSI hat man sich intensiv Gedanken über die Zukunftsaussichten von SMR gemacht. Jessica Schmidt: «Ich kann mir vorstellen, dass sich, wie in den USA, Menschen auf unserer Facebook-Seite per Kommentar bewerben. In Zukunft wird sich diese Entwicklung immer stärker in Richtung Web-Visitenkarte verschieben. Wenn ich beispielsweise sage, dass ich Social-Media-Profi bin, dann muss sich dies in meiner Web-Aktivität auch widerspiegeln, etwa auf einem Blog oder auf Twitter. Wichtig ist es, einen Mix aus verschiedenen Massnahmen zu fahren, dabei wird auch die klassische Stellenanzeige nicht aussterben.»
Ebenso ist bei Callworld das Stelleninserat das klassische Thema. Jürg Hüppi dazu: «So kommen wir an neue Kreise heran. Aber auch Online-Medien, z.B. Google-Inserate, jedoch nicht die typische Social-Media-Landschaft, sind für uns wichtig.»
Daniel Huber, Head of Business Development bei rbc Solutions AG, formuliert es treffend: «Wir erachten SMR als ein wertvolles Instrumentarium, welches die klassische Personalrekrutierung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen wird. Ob Social Media Recruiting in Zukunft wachsen wird, ist aus unserer Sicht schwierig zu beurteilen. Aufgrund des grossen Zeitaufwands wird sich das Wachstum in Grenzen halten. Zudem ist das Thema Datenschutz im Social Media nicht abgesichert. Der virale Effekt und die damit verbundene Chance, die eigene Botschaft bzw. Vakanz über diese Netzwerke zu verbreiten, ist allerdings eine fantastische Option.»

Autor: Roswitha Hechler

Recruiting 2.0_In der jungen Szene des Recruiting über Facebook & Co. spielt sich einiges ab. Vor allem grössere Unternehmen sehen die positiven Effekte, die Social Media Recruiting bietet. doch im schweizerischen Alltag der Callcenter hat man bis jetzt noch keine grossen Erfahrungen gemacht. Man anerkennt jedoch, dass sich damit eine fantastische Option bietet. Die sozialen Medien sind noch eine Spielwiese. Dabei wird noch viel experimentiert und ausprobiert. Doch immer mehr Unternehmen widmen dem Thema Social Media im Bereich Human Resources eine wachsende Aufmerksamkeit. Die Erfahrungen dabei sind ziemlich verschieden. Vor allem zeigt sich, dass es auf den Kanal ankommt und wen man ansprechen möchte. So hat man bei BSI in der Startphase schon diverse Erkenntnisse gewonnen. Jessica Schmidt, PRVerantwortliche: «Noch sind wir bei BSI mit unseren Social-Media-Recruiting-Aktivitäten ganz am Anfang und betreiben erst Employer Branding, nicht konkrete Mitarbeiter-Suche. Dazu haben wir eine FacebookSeite, die vorwiegend Recruiting-Zwecken dient. Auch auf Twitter sind einige unserer Wunscharbeitnehmer aktiv, wobei Twitter nicht primär Recruiting-Ziele anpeilt. Eine Präsenz in den sozialen Medien ist für uns sehr wichtig und sinnvoll, bieten sich doch hier ganz andere, informellere, subtilere Darstellungsformen.» Oder bei Callworld erfährt man von Jürg Hüppi: «Wir dachten, super, Facebook, dort ist ja unsere Zielgruppe, die Agents, dabei. Vor allem Empfehlungen wäre ein Thema. Wir setzten einen Recruiter ein, der nichts anderes gemacht hat, als Informationen über unsere Arbeit zu streuen. Eigenartigerweise haben wir von den eigenen Mitarbeitern dazu viele News und Kommentare bekommen, aber für Jobs ist nichts hängen geblieben. Nach diesen Erfahrungen haben wir das Ganze wieder aufs Eis gelegt. Der Weg über Google Inserate zu schalten oder Flyer an die Mitarbeiter zu verteilen, funktioniert besser. Bei SCM ist ja jemand ständig mit Monitoring oder Moderation beschäftigt, das ist aufwendig.» Welcher Kanal bietet sich an? Geht es um die Besetzung von höheren Positionen scheint sich vor allem XING anzubieten, wie Isabel Diaz, Head of Human Resources von rbc Solutions AG, dies sieht: «Für das Recruiting von Personal in den Bereichen Projektmanagement, IT, Führung usw. fokussieren wir uns aufgrund unserer Erfahrungen bis auf Weiteres auf XING. Für Mitarbeiter im CC-Bereich hat sich die Suche vergleichsweise weniger gut bewährt. XING bietet sehr gute Möglichkeiten. So können potenzielle Kandidaten, die an Karrierechancen interessiert sind, direkt angesprochen werden. Auch erreicht man damit Personen, die nicht unbedingt proaktiv auf Stellensuche sind. Neben dem hinterlegten Unternehmensprofil auf XING haben wir letztes Jahr ein Companysowie ein Jobvideo produziert. Das Video ist ein sehr gutes Mittel, das bei den Stellensuchenden ein positives Feedback auslöst. Die Visualisierung bringt grosse Vorteile, auch die Möglichkeit damit Emotionen zu wecken, ist sehr hilfreich.» Bei einem grösseren Callcenter mit seinen verschiedenen Niederlassungen scheint man durch die breite Streuung der Social-Media-Kanäle doch mehr Chancen auf Erfolg zu haben. Dazu Sabine Zoller von walter services GmbH: «Seit September haben wir unsere Facebook-Seite annonciert, das kommt sehr gut an. Wir haben festgestellt, dass es ein ideales Medium ist, um eine jüngere Generation mit unseren Themen rund um den Callcenter-Markt vertraut zu machen. Vor allem die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten kann…

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